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Hämorrhoiden Blutung – Ursachen, Behandlung und wann Sie zum Arzt sollten

Blutungen durch Hämorrhoiden richtig einschätzen und behandeln. Erfahren Sie, wann Blutungen harmlos sind, welche Behandlungen helfen und wann ein Arztbesuch dringend notwendig ist.

Hämorrhoiden Ratgeber
Medizinische Darstellung von Hämorrhoiden-Blutungen und deren Behandlungsmöglichkeiten

Blutungen gehören zu den häufigsten und zugleich beunruhigendsten Symptomen bei Hämorrhoiden. Wenn Sie hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier oder in der Toilette bemerken, ist das verständlicherweise besorgniserregend. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Hämorrhoiden-Blutungen entstehen, wie Sie sie richtig einschätzen und behandeln können, und wann ein Arztbesuch unbedingt notwendig ist.

Warum bluten Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind gut durchblutete Gefäßpolster im Enddarm. Wenn diese Polster krankhaft vergrößert sind, werden sie anfällig für Verletzungen und Blutungen. Die Blutungen entstehen durch verschiedene Mechanismen:

Mechanische Reizung: Beim Stuhlgang wird die empfindliche Schleimhaut der vergrößerten Hämorrhoiden durch den Stuhl verletzt. Die dünne Schleimhaut reißt leicht ein, besonders bei hartem Stuhl.

Druck und Pressen: Starkes Pressen beim Stuhlgang erhöht den Druck in den Gefäßen der Hämorrhoiden. Die überbeanspruchten, erweiterten Gefäße können platzen und bluten.

Chronische Reizung: Häufiges Reiben mit Toilettenpapier, besonders bei schlechter Reinigung oder mehrmaligem Toilettengang, kann die bereits gereizte Schleimhaut zusätzlich verletzen.

Entzündung: Entzündete Hämorrhoiden haben eine besonders empfindliche und durchlässige Schleimhaut, die leicht blutet.

So erkennen Sie Hämorrhoiden-Blutungen

Die Art der Blutung gibt wichtige Hinweise auf die Ursache:

Typische Merkmale von Hämorrhoiden-Blutungen:

  • Hellrote Farbe: Das Blut ist frisch und hellrot, nicht dunkelrot oder schwarz
  • Auf dem Toilettenpapier: Blutspuren nach dem Abwischen
  • In der Toilette: Tropfen oder leichte Verfärbung des Wassers
  • Aufliegend: Das Blut liegt auf dem Stuhl auf, ist nicht mit ihm vermischt
  • Schmerzlos: Meist ohne oder mit nur geringen Schmerzen
  • Nach dem Stuhlgang: Tritt während oder unmittelbar nach dem Stuhlgang auf

Warnsignale, die auf andere Ursachen hinweisen:

  • Dunkles, schwarzes oder teerartiges Blut (Meläna)
  • Blut im Stuhl vermischt (nicht nur aufliegend)
  • Starke Blutungen mit Blutklumpen
  • Anhaltende Blutungen über mehrere Tage
  • Begleitende starke Bauchschmerzen
  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Veränderte Stuhlgewohnheiten

Wenn eines dieser Warnsignale auftritt, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen, da auch ernsthafte Erkrankungen wie Darmpolypen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Darmkrebs Blutungen verursachen können.

Schweregrade und Blutungsstärke

Die Stärke der Blutungen hängt oft mit dem Schweregrad der Hämorrhoiden zusammen:

Grad 1 Hämorrhoiden: Leichte, gelegentliche Blutungen – meist nur wenige Tropfen auf dem Toilettenpapier. Die Blutungen treten unregelmäßig auf, oft nach hartem Stuhlgang.

Grad 2 Hämorrhoiden: Häufigere Blutungen von geringem bis mäßigem Ausmaß. Das Blut kann ins Toilettenwasser tropfen und das Wasser leicht verfärben.

Grad 3 und 4 Hämorrhoiden: Können zu stärkeren und häufigeren Blutungen führen. Auch spontane Blutungen ohne Stuhlgang sind möglich. Bei dauerhaft vorgefallenen Hämorrhoiden kann es zu Nässen und Blutschmieren kommen.

Erste Hilfe bei akuten Blutungen

Wenn Sie eine Hämorrhoiden-Blutung bemerken, können Sie folgende Sofortmaßnahmen ergreifen:

Ruhe bewahren: Leichte Blutungen bei bekannten Hämorrhoiden sind meist harmlos. Panik erhöht nur den Blutdruck und kann die Blutung verstärken.

Kühle Kompressen: Legen Sie eine in kaltes Wasser getränkte Kompresse oder einen in ein Tuch gewickelten Kühlakku für 10-15 Minuten auf die betroffene Stelle. Die Kälte verengt die Blutgefäße und kann die Blutung stoppen.

Sanfte Reinigung: Reinigen Sie den Analbereich vorsichtig mit lauwarmem Wasser. Vermeiden Sie starkes Reiben mit Toilettenpapier.

Hochlagern: Legen Sie sich hin und lagern Sie das Becken leicht erhöht. Dies reduziert den Blutfluss in die betroffene Region.

Blutstillende Kompressen: In der Apotheke erhältliche blutstillende Kompressen oder Tupfer können direkt auf die Blutungsquelle aufgelegt werden.

Behandlung von Hämorrhoiden-Blutungen

Die Behandlung richtet sich nach Häufigkeit und Stärke der Blutungen sowie dem Schweregrad der Hämorrhoiden.

Konservative Behandlung bei leichten Blutungen

Bei gelegentlichen, leichten Blutungen können folgende Maßnahmen helfen:

Salben und Zäpfchen: Hämorrhoiden-Salben mit entzündungshemmenden Wirkstoffen wie Hamamelis oder Zink fördern die Wundheilung und reduzieren Entzündungen. Lokal betäubende Salben lindern begleitende Schmerzen.

Sitzbäder: Regelmäßige Sitzbäder mit Kamille, Eichenrinde oder Hamamelis wirken entzündungshemmend und fördern die Heilung der gereizten Schleimhaut. Führen Sie die Bäder 2-3 Mal täglich für 10-15 Minuten durch.

Ernährungsumstellung: Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten macht den Stuhl weicher. Trinken Sie mindestens 2 Liter Wasser täglich. Weicher Stuhl verringert die mechanische Reizung der Hämorrhoiden erheblich.

Stuhlregulierung: Flohsamenschalen oder Leinsamen machen den Stuhl voluminöser und weicher, sodass weniger Pressen nötig ist. Nehmen Sie diese mit ausreichend Flüssigkeit ein.

Sanfte Hygiene: Verwenden Sie weiches, feuchtes Toilettenpapier oder reinigen Sie sich nach dem Stuhlgang mit lauwarmem Wasser. Tupfen Sie vorsichtig trocken, anstatt zu reiben.

Medizinische Behandlung bei wiederkehrenden Blutungen

Wenn Blutungen häufig auftreten oder nicht auf konservative Maßnahmen ansprechen, sind medizinische Behandlungen erforderlich:

Verödung (Sklerosierung): Bei dieser ambulanten Behandlung wird ein Verödungsmittel in die Hämorrhoide gespritzt, das die Blutgefäße verschließt und das Gewebe schrumpfen lässt. Die Methode ist besonders effektiv bei Hämorrhoiden Grad 1 und 2 mit Blutungen.

Gummibandligatur: Ein Gummiband wird um die Basis der blutenden Hämorrhoide gelegt und schnürt die Blutzufuhr ab. Das Gewebe stirbt ab und fällt nach einigen Tagen ab. Diese Methode ist sehr wirksam bei Grad 2 und 3 Hämorrhoiden mit wiederkehrenden Blutungen.

HAL-Verfahren: Die hämorrhoidalen Arterien werden mittels Ultraschall aufgespürt und abgebunden. Dadurch wird die Blutzufuhr zur Hämorrhoide reduziert, was Blutungen effektiv stoppt.

Operative Behandlung: Bei schweren Blutungen durch Hämorrhoiden Grad 3 oder 4 kann eine Operation notwendig sein. Die chirurgische Entfernung der Hämorrhoiden behebt das Problem dauerhaft.

Vorbeugung von Hämorrhoiden-Blutungen

Mit den richtigen Maßnahmen können Sie das Risiko für Blutungen deutlich reduzieren:

Verstopfung vermeiden: Dies ist die wichtigste präventive Maßnahme. Ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung halten den Stuhl weich und die Verdauung in Schwung.

Nicht pressen: Gehen Sie bei Stuhldrang zeitnah zur Toilette, aber zwingen Sie nichts. Wenn innerhalb von 3-5 Minuten kein Stuhlgang erfolgt, stehen Sie auf und versuchen es später erneut. Lesen oder Handy-Nutzung auf der Toilette fördern unnötig langes Sitzen.

Richtige Reinigung: Verwenden Sie weiches, feuchtes Toilettenpapier oder eine sanfte Reinigung mit Wasser. Aggressives Reiben verletzt die empfindliche Schleimhaut.

Gewichtskontrolle: Übergewicht erhöht den Druck im Bauchraum und begünstigt Hämorrhoiden. Ein gesundes Körpergewicht reduziert dieses Risiko.

Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung fördern die Darmbewegung und verhindern Verstopfung. Besonders geeignet sind Walking, Schwimmen und Radfahren.

Schweres Heben vermeiden: Wenn Sie schwer heben müssen, achten Sie auf die richtige Technik und pressen Sie nicht die Luft an. Atmen Sie gleichmäßig weiter.

Wann Sie unbedingt zum Arzt sollten

Bei folgenden Symptomen ist ein Arztbesuch dringend erforderlich:

  • Erstmalige Blutung: Jede erstmalige Blutung aus dem Darm sollte ärztlich abgeklärt werden, auch wenn Sie vermuten, dass Hämorrhoiden die Ursache sind.

  • Starke Blutungen: Wenn die Blutung nicht nach wenigen Minuten stoppt oder Sie größere Mengen Blut verlieren.

  • Dunkles Blut: Schwarzes, teerartiges oder dunkelrotes Blut deutet auf eine Blutungsquelle höher im Verdauungstrakt hin und erfordert sofortige Untersuchung.

  • Blut im Stuhl vermischt: Wenn das Blut mit dem Stuhl vermischt ist statt nur aufzuliegen.

  • Anhaltende Blutungen: Wenn Blutungen regelmäßig über mehrere Tage oder Wochen auftreten.

  • Begleitsymptome: Starke Schmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel, Schwächegefühl oder Gewichtsverlust.

  • Anämie-Symptome: Blässe, Müdigkeit, Kurzatmigkeit können auf chronischen Blutverlust hinweisen.

Der Arzt wird eine Untersuchung durchführen, um die genaue Ursache der Blutung festzustellen. Dies kann eine Proktoskopie (Spiegelung des Enddarms) oder eine Darmspiegelung umfassen. Nur so können ernsthafte Erkrankungen sicher ausgeschlossen werden.

Besondere Situationen

Hämorrhoiden-Blutungen in der Schwangerschaft

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft sind häufig und können bluten. Informieren Sie dennoch Ihren Frauenarzt oder Ihre Hebamme. Viele Behandlungen sind auch in der Schwangerschaft sicher anwendbar. Nach der Geburt bilden sich die Hämorrhoiden meist zurück.

Blutungen trotz Behandlung

Wenn Blutungen trotz konsequenter Behandlung nicht besser werden oder sogar zunehmen, sollten Sie Ihren Arzt erneut aufsuchen. Möglicherweise ist eine intensivere Therapie oder eine erneute Untersuchung erforderlich.

Blutverdünner und Hämorrhoiden-Blutungen

Wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen, können Hämorrhoiden-Blutungen stärker ausfallen und länger anhalten. Setzen Sie Ihre Medikamente keinesfalls selbstständig ab, sondern besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie vorgehen sollten.

Fazit

Blutungen sind ein häufiges Symptom bei Hämorrhoiden, das viele Betroffene beunruhigt. In den meisten Fällen sind leichte, hellrote Blutungen bei bekannten Hämorrhoiden harmlos und gut behandelbar. Dennoch sollte jede Blutung aus dem Darm ärztlich abgeklärt werden, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.

Mit den richtigen Maßnahmen – ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, sanfte Hygiene und Vermeidung von starkem Pressen – können Sie Hämorrhoiden-Blutungen effektiv vorbeugen und behandeln. Bei wiederkehrenden oder starken Blutungen stehen wirksame medizinische Behandlungen zur Verfügung, die das Problem dauerhaft beheben können.

Zögern Sie nicht, bei Unsicherheit oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einzuholen. Je früher Hämorrhoiden behandelt werden, desto besser sind die Heilungschancen und desto geringer ist das Risiko für Komplikationen. Ihre Gesundheit sollte immer an erster Stelle stehen.

Häufig gestellte Fragen